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Komme, was wolle...


Nimm, Gott, und empfange meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis und mein Besitzen.

Du hast es mir gegeben, Dir, Gott, gebe ich es zurück .

Alles ist Dein, verfüge DU nach Deinem Willen

Gib mir Deine Liebe und Gnade, denn diese genügt mir.

Ignatius von Loyola

 


 

 

Von Mariananda


Mariananda, hast du Lust, etwas zum Thema Hingabe zu schreiben?

Hingabe, ja, das ist das Allerwichtigste immer, überall…aber: darüber, dazu, davon…schreiben? Hingabe ist so etwas Persönliches, so etwas zutiefst Intimes, so etwas unbeschreiblich Unbeschreibbares. Sie ist eine Gnade, ein Geschenk, eine Erfüllung und eine Bestätigung aller Hoffnungen und aller Träume. Sie ist die in das tägliche Leben geborene Unendlichkeit.

Hingabe ist Liebe in ihrer Absolutheit, bedingungslos und großartig, unterscheidend und annehmend, durchdringend und herzzerreißend, so stark und so ergeben gleichzeitig, dass nur ein vollkommener Still-heits-Zustand in der Lage ist, sie zu ertragen, sich von ihr ergreifen und tragen zu lassen. Immer gegenwärtig, aber nur in seltenen Momenten sichtbar in ihrer absoluten, vollkommenen Schönheit, Kraft und Herrlichkeit. Nicht immer sind wir in der Lage, unsere Herzen so offen zu halten, so dass wir das, was wir mit den Augen des Herzens sehen, auch ertragen können. Wir könnten   sagen, dass erst  ein offenes Herz auch einen wirklich klaren Verstand  bewirkt, und dass sich ein offenes Herz und ein klarer Verstand keineswegs widersprechen.

Aber weder sind unsere Herzen immer offen, noch sind wir immer bei unserem täglichen, alltäglichen Tun bei klarem Verstand. Nur zwei sehr „alltägliche“ Beispiele: Tiere die in Massen-Käfig-Haltung eingesperrt werden, die mit Antibiotika vollgepumpt werden, deren Fleisch wir aber widerstandslos essen… Oder: Handys die kein Mensch auf der Welt braucht, deren chemisch-technische Bestandteile aber jeden Tag Tausende von chinesischen Wanderarbeitern und afrikanischen Untertagearbeitern das Leben kosten…


Hingabe: Ich lasse hinter mir, was war


Hingabe ist das, was Amma, die indische Weise und Heilige, uns allen täglich seit Jahrzehnten vorlebt, und wozu sie sagt: Erleuchtung ist das bedingungslose „Ja“. Immer, überall, ganz. Was aber keineswegs bedeutet, unterschiedslos alles für „gut und richtig“ zu halten, bloß weil es in der Welt erscheint. Bedingungslose Liebe kann genau unterscheiden, was töricht, brutal, unwissend und dumm ist, ebenso wie sie erkennt, was gnädig, liebend und wahr ist.

Hingabe ist das, was Nelson Mandela ausdrückte, ehe er das Gefängnis nach 27-jähriger Haft verließ: Er sagte:“ Ich lasse alles hinter mir, was war, ich vergebe allen und mir, was geschehen ist. Ich beginne genau hier jetzt neu, sonst gibt es für mich keine Freiheit“. Was keineswegs bedeutete, dass er alles vergessen hat, verdrängt hätte, was an Unrecht und Leid ihm und seinem Land Südafrika zuvor geschehen ist.

Hingabe ist der Weg, Hingabe ist das Leben und Hingabe ist das Ziel.

Hingabe wird oft verwechselt mit Unterwürfigkeit, wird von einem sich als übergeordnet wähnendem Denken interpretiert als eine besondere Art des Masochismus. Hingabe wird als religiöser Ekstase-Zustand, als eine Art hirnloser hysterischer Anfall, als weibischer Über-Erregungszustand aufgrund sexuell unbefriedigten Triebgeschehens diagnostiziert. Hingabe wird gedeutet als Aufgabe des eigenständigen Denkens, Handelns und Wahrnehmens. Sie wird eingeordnet als Schwäche und als Abhängigkeit. Sie wird angesehen als etwas, das „weiblich, anhänglich, empfänglich, gefühlig, intuitiv, ununterschieden, leicht dümmlich, schwächlich, religiös, esoterisch, spiritistisch, undifferenziert und last not least als sehr unwissenschaftlich erscheint.

Im Gegensatz zu freier Selbst-Bestimmtheit (die eigentlich besser „Ich-Bestimmtheit“ heißen sollte), die gedeutet wird als “männlich, frei, unabhängig, denkend, unterscheidend, intelligent, stark, naturwissenschaftlich, frei von religiösem Unsinn, differenziert und natürlich als ausschließlich wissenschaftlich“.


Gegensatzdenken


Das stimmt sogar alles auf einer psychologisch interpretierenden, dual denkenden Ich-Ebene. Aber ein bedeutender Irrtum ergibt sich, wenn beides als Gegensatz zum jeweils anderen gesehen wird, wobei ein Teil sich dann immer dem anderen überlegen – oder unterlegen – wähnt. Je nach kultureller Ausrichtung wird immer das eine gegen das andere ausgetauscht, erhöht und verehrt. Muttergesellschaften gegen Vatergesellschaften, Jesus-Kult gegen Marienverehrung. Muttergottheiten gegen Vatervisionen. Männer erfahren sich dann als richtiger denkend als Frauen, entsprechend Frauen sich als richtiger fühlend als Männer.

Erst in einer Vereinigung der scheinbaren Gegensätze ergibt sich ein stimmigeres Bild. Aber noch bleibt alles „nur“ mental interpretierendes Denken. Eine aber immer noch "nur" gedachte Konstruktion, die aber aufgrund ihres Erscheinens ihre Bestätigung als „ultima-ratio“ (hic) erhält.

Erst wenn die nächste Stufe sich verwirklicht hat, zeigt sich eine über die Gegensätze hinausweisende Annahme dessen was wirklich ist.

Der weiterer Irrtum ergibt sich, wenn Hingabe auf der Ebene eines immer dualen Ego-Bezugsystems erfahren und gedeutet wird (richtig-falsch, gut-böse, wahr-unwahr, Sieger-Verlierer, erfolgreich-erfolglos, usw). Hingabe unterliegt ebenso wie alle anderen begrifflichen Beschreibungen in ihrer jeweiligen Erfahrung und ihrem jeweiligen Entwicklungszustand der Einsicht dessen, der sie beschreibt. Das Bewusstsein bestimmt das Sein. Aber es gilt natürlich ebenso: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.


Der Willen zur Autonomie


Die allerintimste Beziehung, derer ich gewahr werden kann, ist die zum Selbst. Zu (meinem eigenen) innersten Selbst, zu dem, was ich wirklich bin. Es wird wahrgenommen als gleichzeitig „mein“ eigenstes, persönlichstes und gleichzeitig als etwas vollkommen Unpersönliches, allem Innewohnenden aber „nichts und niemandem Zugehörendes“. Und seltsamerweise schrecken genau vor dem Letzteren die meisten Menschen zurück. Sie haben gelernt, dass sie eigenständig und unabhängig denken sollen, dass sie Individuen sind, dass Freiheit darin besteht, eine eigene Individualität zu entwickeln, autonome Personen mit einem eigenen selbst-bestimmten, freien Willen zu werden.

All diese Postulate entstanden zu Recht im 18. Jahrhundert als Aufforderung an eine damals unterdrückte, in ökonomischer, geistig-spiritueller (Cuius regio eius religio: In wessen Gebiet du lebst, dessen Glauben hast du zu befolgen) Abhängigkeit und Knechtschaft lebende unmündige, ungebildete, schicksalsergebene, von wenigen Herrschenden ausgebeutete Mehrheit der Menschen. Aber diese Aufforderung war zeitgebunden und wurde damals verstanden als ein Aufbegehren und Erheben, um sich den „Gebildeten und Besitzenden“ gleichzumachen.

Seit dem Beginn der Aufklärung hat sich aber auf vielen bedeutenden Gebieten ein solcher Fortschritt ergeben, dass die Menschheit sich nun einem weiteren Ent-Wicklungs-Geschehen bewusst zuwenden kann.

In Anlehnung an die Chakrenlehre können wir sehen, dass im Laufe eines menschlichen Entwicklungsprozesses zuerst der physische Hunger befriedet werden muss (Chakra 1, Basischakra = überleben), dann wird der emotionale Hunger gestillt (Chakra 2, Kreativitäts und Sexualchakra = gut-böse) anschließend beginnt die Entwicklung von Bildung und Denken (Chakra 3, richtig-falsch) Befinden sich die Bedürfnisse der ersten drei Chakren in einem relativ zu-friede-nen Ausgleich, wird ab Chakra 4, dem Herz-Chakra, der seelisch-geistige Hunger nach innerem Frieden und äußerer friedfertiger Gerechtigkeit sichtbar. Eine Sehnsucht nach Überwindung der Gegensätze beginnt aufzukeimen.


Transzendierung ego-zentrischen Weltsicht


Der Hingabe an das innere Sein, an das, was man auch das „Herz im Herzen“ nennt, wird dann immer mehr zu einer Not-wendig-keit und zur Grundlage der ich-überwindenden, ego-zentrischen Weltsicht. Das Allgemeinwohl, die universale Bedingtheit, und das „Du“ nehmen zunehmend den Platz des vorher um sein Überleben besorgten kleinen Ichs ein.

Der endgültige Schritt zu wahrem Sein und zu lebendiger Verwirklichung des angeborenen menschlichen Potenzials kann aber erst nach der Erlangung von ökonomischer, emotionaler und seelisch-geistiger Reife erkannt und vollzogen werden. Erst mit der Erlangung dieser relativen Freiheiten kann eine Transzendierung zur endlosen, absoluten Freiheit beginnen. Nun kann der innere Ruf zum ersten Mal wirklich gehört wird: Nicht mehr mein Wille, sondern Dein Wille möge geschehen.

Einem noch um das leibliche, emotionale und denkende Überleben kämpfenden kleinen Ich mag dieses Sehnen als geradezu paradoxer Ruf zurück in die Steinzeit schrecklichster Abhängigkeiten und unterdrückter vitalster Bedürfnisse erklingen.

Hingabe erscheint auf diesen Ebenen ausschließlich als „Her-Gabe“, als Verlust von Freiheit, Unabhängigkeit und Ich-Bestimmtheit.

Erst mit dieser als „neu“ erscheinenden Erfahrung, dem Ruf der Sehnsucht  zu folgen – nun zu glauben, dass dein tiefster Grund nicht im „Ich“, sondern im größeren Selbst erst erfahren wird und sich dein unendliches Sein endlich verwirklicht –, eröffnet sich dir eine Tiefe und Erlösung, die du bisher immer nur in der Erfüllung der Ich-Erfordernisse gesehen hattest.

Dir war bis hierher noch nicht bewusst, dass es eine weit größere Freiheit, eine weit tiefere Erfüllung und eine weit umfassendere Verwirklichung deines Seins gibt, als im schmalen Rahmen eines kleinen Ichs auch nur für vorstellbar gehalten wurde.

Ist dir das Leiden an dieser freiwilligen Begrenzung, die du dir auferlegt hast erst einmal bewusst geworden, erfasst dich fast automatisch der Mut, dich der weiteren Suche nach bewusst-werden und Bewusst-Sein in Wachheit und Klarheit mit offenem Herzen hinzugeben.

Hingabe ist Liebe in ihrer Absolutheit, bedingungslos und großartig, unterscheidend und annehmend, durchdringend und herzzerreißend, so stark und so ergeben gleichzeitig, dass nur ein vollkommener Still-heits-Zustand in der Lage ist, sie zu ertragen, sich von ihr ergreifen und tragen zu lassen. Immer gegenwärtig, aber nur in seltenen Momenten sichtbar in ihrer absoluten, vollkommenen Schönheit, Kraft und Herrlichkeit.